Die Ostsee als Segelrevier wird von der ASK eher mäßig besegelt, zu verlockend ist es die gleiche Distanz in Richtung Süden zu fahren. Doch dieses Mal haben wir uns bewusst gegen das Mittelmeer und die dort zu charternden Joghurtbecher entschieden und durften mit der „Greif von Ueckermünde“ ein besonderes Schiff mit viel Geschichte kennen lernen.

Der 1960 erbaute Kiel-Schwert Seekreuzer wird von seinem Förderverein fortlaufend erneuert und in Schuss gehalten. Mit unserem Schiffsführer Mike stand uns ein erfahrener Nautiker und ehem. erster Offizier zur Seite, der das besondere Schiff seit Kindheitstagen an kennt wie kein anderer. Und Besonderheiten am Schiff gibt es einige: die vier Segel haben keine Winschen für ihre Schoten. Das dicht holen erfordert mehrere Personen und nicht selten fiert man bei starkem Wind stattdessen die Schoten weiter auf. Auf den Kopfschlag beim Belegen der Klampen wir generell verzichtet – viel zu groß die Gefahr die Leinen nicht mehr lösen zu können. Die Hydraulik Steuerung sorgt für ein komfortables Steuern, der gleichbleibende Ruderdruck gibt dem Rudergänger aber keinerlei Feedback. Die Ankerwinsch besteht aus zwei Kurbeln die manuell zu bedienen sind und das fehlende Bugstrahlruder erfordert durchdachte An- und Ablegemanöver des 20 Meter langen Schiffes. Aber endlich darf man sich mal in der Reling einklinken, hat eine Kaffeemaschine an Bord und ausreichend Stauraum um sogar Bierkästen mitzuführen.

Da Reisedauer und Wetter passten fiel schnell die Entscheidung hin zur sehenswerten Route rund Rügen.

Tag 1 – Lütow

Am Vorabend waren wir spät angereist und hatten die erste Nacht auf dem Schiff verbracht. Daher nutzten wir den Vormittag um alle notwendigen Einkäufe zu tätigen, was für sieben Seetage und 13 Personen eine kleine Herausforderung ist. Rechtzeitig legten wir ab um die Zecheriner Brücke in ihrer Öffnungszeit um 16:45 Uhr zu passieren und weiter Aufwärts im Peenestrom die Nacht vor einem idyllischen Kiefernwald zu ankern. Die Ankerwachen wurde mit einem tollen Sternenhimmel samt Sternschnuppen belohnt.

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Tag 2 – Gager

Am zweiten Tag hatten wir das Stettiner Haff über den Peenestrom verlassen und legten in Gager auf Rügen an. Abends spazierten wir auf die höchste Erhebung um die Aussicht zu genießen. Rundherum wechselt sich Land und See bis zum Horizont immer wieder ab. Eindrücke die sich mit der Kamera nur schwer festhalten lassen.

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Tag 3 – Stralsund

Gut getimed passierten wir am frühen Nachmittag die Rügenbrücke zu ihrer Öffnungszeit und legten in Stralsund an. Wie an jedem Tag unserer Reise stand uns ein von Simon frisch gebackenes Sauerteigbrot für den Mittagssnack zur Verfügung. Seine Abkömmlinge sind mittlerweile in ganz Deutschland verteilt. Mit einem Spaziergang durch die Stadt und dem Besuch der ältesten Hafenkneipe Europas (seit dem Jahr 1332 betrieben) endete unser Tag.

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Tag 4 – Vitte auf Hiddensee

Unseren vierten Seetag ließen wir, auch aufgrund der kurzen Distanz zum Hauptort Vitte auf Hiddensee, entspannt angehen. Trotz schlechter Prognose des Hafenmeisters konnten wir einen Liegeplatz in bester Lage ergattern und verbrachten den restlichen Tag mit Baden, Beachvolleyball und Gesellschaftsspielen.

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Tag 5 – Glowe

Nach einem morgendlichen Unwetter ging es im engen Fahrwasser weiter auf die offene Ostsee hinaus. Eine weitere Sache die wir aus dem Mittelmeer nicht kennen und volle Konzentration erfordert. Bereits wenige Meter neben dem Fahrwasser konnte man teilweise hüfthoch im Wasser stehen. Über den Sprechfunk konnten wir entsprechende Gespräche mit der Verkehrszentrale mithören.

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Um das Kap Arkona herum hatten wir mit starken Winden und Regen zu kämpfen, ehe wir bei Glowe vor Anker gingen.

Tag 6 – Swinemünde

Am zweitletzten Tag Stand uns der längste Schlag mit direktem Kurs auf Swinemünde bevor, vorbei an den Kreidefelsen und der Victoriasicht. Immer wieder wurden wir mit Regen und einschlafendem Wind konfrontiert aber konnten dennoch den Großteil der Strecke unter Segeln zurücklegen. Den auf Hiddensee eingekauften Fisch ließen wir uns Abends in der Messe besonders schmecken.

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Tag 7 – Ueckermünde

Unter Motor befuhren wir die Kaiserfahrt mit anschließendem Kurs auf den Heimathafen Ueckermünde. Bereits währenddessen packten wir unsere Seesäcke und machten klar Schiff. Mit Sauerteig bewaffnet traten wir im Stadtmobil die Heimfahrt an.

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Ein besonderes Schiff in einem besonderen Revier. Zu erleben mit welch ehrenamtlichen Engagement und Einsatz den Jugendgruppen schöne Ferien ermöglicht und gesellschaftlicher Beitrag geleistet wird macht Freude und färbt ab. Man ist sich einig – wir kommen wieder!

Datum: 07.07.23 - 15.07.23
Revier: Ostsee
Skipper: Mike Brodhagen
Boot: Greif von Ueckermünde
Crewstärke: 13
Zurückgelegte Seemeilen: 197
Projektleiter: Roman Ritter