Dieses Jahr gab es für das Bodensee-Training ein Novum. Statt im April oder Mai haben wir unser Gennaker-Training am Bodensee im spätsommerlichen September veranstaltet. Mit acht Booten des Typs Scholtz 22 sind wir bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen an diesem Wochenende aus dem Hafen von Kressbronn ausgelaufen.

Unsere Unterkunft war der altbewährte Zeltplatz in Tunau, in Nachbarschaft einer gutmütigen Kuhherde. Sobald alles am Freitag nach Ankunft ausgeladen war, ging es auch schon gleich zur Marina, um unsere Boote in Empfang zu nehmen. Nach obligatorischem Sicherheitscheck der Boote und Ausrüstung, haben wir uns schließlich mit den sportlichen Kielbooten vertraut gemacht.

Wie die Überschrift des Wochenendes „Gennaker-Training“ vermuten lässt, stand natürlich das Training mit diesem großen asymmetrisch dreieckigen Vorsegel im Fokus. Das aus besonders leichtem Segeltuch genähte Gennakersegel ist zwar ideal, um sich auf Raumschotkurs vor dem Wind hertreiben zu lassen, sollte jedoch mit Erfahrung und Training gefahren werden. Man erzählte sich bereits Geschichten von ausrauschenden Schoten und auf die Wasserfläche gedrückten Booten. Erste Trainingssession war dann auch das fachgerechte zusammenlegen des Segels, um es später auf dem Wasser ohne Komplikationen und möglichst zügig setzen zu können.

Als letztlich alle Haken auf der Checkliste zur Vorbereitung gesetzt waren, ging es endlich los auf den stürmischen Bodensee - bei 2 Bft. Die Kunst bestand also an diesem Nachmittag vor allem darin, sich von Windfeld zu Windfeld zu hangeln, spannende Slow-Motion-Wettrennen inklusive. Kurz vor Sonnenuntergang gab es dann doch noch die Gelegenheit, den Gennaker zu setzen und mit prallen Segeln gen Hafen zurück zu segeln.

Auf der Speisekarte für hungrige Segler stand am Freitagabend leckeres Gegrilltes vom Schwenkgrill über Holzfeuer – mhhhm. Komplettiert durch leckere Salate war schnell jeder satt und zufrieden. Bereit, dem Holzwettstapeln auf dem Lagerfeuer beizuwohnen oder den Segelfilm Turning Tide auf Beamer und Leinwand zu schauen. Letzter ist die Geschichte eines blinden Passagiers auf der Vendée Globe, einer spannenden Einhand Around-the-World-Regatta auf 60-Fuß High-Tech Racern.

Am zweiten Tag ging es nach den morgendlichen Weckrufen des Hausbullen auf der Nachbarweide und einem leckeren Frühstück direkt zur Marina und auf die Boote. Auch an diesem Morgen meinte es der Wind nicht ganz so ernst, wie wir es uns gewünscht hätten und ließ den einen oder anderen die vorabendlichen Getränke in Ruhe auskurieren. Manche Boote fanden jedoch auch Windfelder, die das Gennaker-Segel mit Wind füllten.

Nach dem Mittagessen, für das sich wieder alle 8 Boote in der Marina versammelt hatten, verbesserten sich die Windbedingungen und wir versammelten uns auf dem Wasser zu einer kleinen privaten Vergleichsfahrt – zur Übung jedoch noch ohne Gennaker.

Froh über den windreichen Nachmittag machten wir uns schließlich auf, segelten in den Sonnenuntergang Richtung Kressbronn zurück und freuten uns auf ein leckeres frisch gezaubertes Chili con Carne, das es an diesem Abend geben sollte. Schließlich gab es noch eine kleine Einführung in das Regelwerk für Segelregatten und es wurden allerlei praktische Fragen diskutiert.

Der Morgen des letzten Segeltags stand ganz im Zeichen, den Zeltplatz aufzuräumen und besenrein zu hinterlassen. Dabei hatte eine Losziehung am Abend zuvor dankbare Aufgaben wie Kloputzen den jeweiligen Bootscrews zugesprochen.

Auf dem Wasser angekommen waren wir froh, dass sich die schlechte Wettervorhersage inkl. Regen für diesen Sonntag zunächst nicht bestätigt hatte. Bis zur Mittagspause ging es wieder auf Amwind-, Halbwind- und Raumschotskursen über den Bodensee. Auch der Gennaker bekam seinen Einsatz. Nach der Mittagsstärkung sollte es dann endlich soweit sein: Eine zweite Vergleichsfahrt wurde vereinbart, aber diesmal mit Gennaker. Bei konstantem Wind segelten alle Boote ins Startgebiet. Dann hat jedoch eine unsichtbare aber offenbar mächtige Hand den Windhahn einfach von jetzt auf gleich zugedreht. In der nun einsetzenden waschechten Flaute dümpelten also 8 Boote im Schneckentempo und versuchten vergeblich, die Richtung irgendeines Lüftchens auszumachen. In dieser Situation ergaben sich die kuriosesten Szenen, in denen Boote mit gleicher Fahrtrichtung unterschiedlichste Segelstellung hatten und nahezu manövrierunfähig auf die Wendeboje zutrieben.

Nach einer gewissen Zeit setzte sich schließlich die Erkenntnis durch, dass hier nicht mal ein Blumentopf zu gewinnen war und die Zeit doch besser für eine ausgiebige Baderunde genutzt werden sollte. Von der ASK-Drohne gefilmt und fotografiert ließen wir so also unser sommerliches Gennaker-Training entspannt ausklingen und gaben am Schluss alle 8 Boote in tadellosem Zustand unserem Vercharterer zurück.

Datum: 02.09.16 - 04.09.16
Revier: Bodensee
Skipper: Basti Rottach, Christoph Echsler, Claus Hanebeck, Jonas Kuhn, Julius Krause, Marius Hillenbrand, Robert Axthelm, Sven Dornfeld,
Boot: Scholtz 22
Crewstärke: 32
Studentische Teilnehmer: 18
Start- & Zielhafen: Marina Ultramarin Kressbronn
Klasse: Einsteiger
Projektleiter: Basti Rottach, Christoph Echsler und Marius Hillenbrand
Bericht: Frederick Lessmann